Impact Investing

Wie kleine und mittlere Stiftungen ihr Kapital im Einklang mit ihrer sozialen Mission jenseits oder zusätzlich zu traditionellen philanthropischen Mitteln einsetzen können?

Angesichts der wachsenden Bedeutung von Organisationen, die Geschäftsmodelle zur Lösung eines bestimmten sozialen oder ökologischen Problems entwickeln, wird Impact Investing als Finanzinstrument für Stiftungen immer relevanter. Bislang sind jedoch zumeist größere deutsche Stiftungen als Impact-Investoren aktiv, während die Mehrheit der deutschen Stiftungen, kleine und mittlere Stiftungen mit einem Vermögen unter 10 Millionen Euro, noch zögerlich ist.

Aber auch in dieser Gruppe gibt es einige Vorreiter, wie zum Beispiel die Social Business Stiftung, die zeigt, wie kleine und mittlere Stiftungen Impact Investing als Finanzierungsinstrument integrieren können, um ihre Kernaktivitäten zu unterstützen.

Basierend auf ihrer eigenen Erfahrung als Impact Investment Manager bei einer mittelgroßen privaten Familienstiftung erklärt Julia Oestreich, die kürzlich als Beraterin zu Beyond Philanthropy dazugestoßen ist, warum kleine und mittlere Stiftungen für Impact Investments gut gerüstet sind und wie sie aktiv werden können.

VORHANDENE ERFAHRUNGEN UND RESSOURCEN NUTZEN
Wenn ich mit Stiftungen und Family Offices über Impact Investing spreche, sagen sie oft, sie hätten nicht die Ressourcen oder das Wissen, um Impact Investments zu machen.

Ganz im Gegenteil, Stiftungen haben viel Erfahrung in der Durchführung einer Due Diligence, da sie jedes Projekt, das sie fördern wollen sorgfältig prüfen, bevor sie eine Unterstützung zusagen. Darüber hinaus verfügen Stiftungen über einen engmaschigen Pool von Experten wie Anwälten, Wirtschaftsprüferinnen und Social Impact Beratern, die die Kernaktivitäten rund um Direktinvestments wie Deal Sourcing, Due Diligence und Portfolio Management unterstützen können. Richtig eingesetzt verringert die Nutzung dieser Netzwerke und Ressourcen anfängliche Implementierungskosten und versetzt Stiftungen in eine hervorragende Position für Impact Investments.

RESSOURCEN BÜNDELN
Besonders am Anfang hilft es, von erfahrenen Impact-Investoren zu lernen und mit ihnen gemeinsam zu investieren. Dies beschleunigt den Lernprozess einer Stiftung und senkt die hohen Transaktionskosten, wie z. B. Due-Diligence-Kosten, die mit kleineren Ticketgrößen oft in Verbindung stehen. Zusätzlich schaffen Co-Investitionen mit anderen Vertrauen in das Social Venture am Markt und bei zukünftigen Investoren. Gemeinsame Sache mit anderen Investoren zu machen ist also nicht nur ein Vorteil für die Stiftung, sondern auch für das Social Venture selbst.

FINANZIELLE UND NICHT FINANZIELLE UNTERSTÜTZUNG KOMBINIEREN
Stiftungen sind ein exzellente Partner, wenn es um nichtfinanzielle Unterstützung geht. Sie haben exzellente Kenntnisse über die sozialen oder ökologischen Probleme an denen sie arbeiten. Dieses Wissen kann extrem hilfreich für Social Ventures sein, vor allem wenn es darum geht passgenaue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Eine Kombination aus finanzieller Unterstützung in Form von Eigenkapital-, Mezzanine- oder Fremdkapitalinvestitionen und nichtfinanzieller Unterstützung ist entscheidend, um Start-ups bei der Verfeinerung ihres Geschäfts- und Wirkungsmodells zu unterstützen. Es verbessert auch die Bedingungen für die Skalierung und erhöht die Attraktivität des Social Ventures für nachfolgende Finanzierungsrunden.

KLEINE TICKET GRÖSSEN
Das operative Team will wirklich investieren, aber die Vorstandsmitglieder sind zögerlich? In diesem Fall können kleinere Ticketgrößen helfen.

Zwei bis drei kleinere Investitionen erlauben dem operativen Team und dem Stiftungsvorstand, mehr über die Chancen und Risiken von Impact Investments zu erfahren. Es schafft zusätzliches Vertrauen und zeigt mögliche Wissenslücken im Team auf, die durch externe Expertinnen oder einem zusätzlichen Teammitglied gefüllt werden können.

Außerdem leisten Stiftungen mit kleinen Investitionsvolumen einen wichtigen Beitrag zum Aufbau von Social Ventures, denn gerade in der frühen Phase besteht immer noch eine große Finanzierungslücke.

Direktinvestitionen in junge Sozialunternehmen können Stiftungen zeigen, wie sie ihr Kapital im Einklang mit ihrer sozialen Mission jenseits oder zusätzlich zu traditionellen philanthropischen Mitteln einsetzen können. Sie ermöglichen es Stiftungen, Geld wiederzuverwerten und für andere Projekte zu verwenden, wenn das Sozialunternehmen die Investition zurückgezahlt hat.

Darüber hinaus haben Stiftungen die besten strukturellen Voraussetzungen für einen solchen Ansatz, da sie einen Fokus auf nicht-finanzielle Unterstützung legen und ein vielfältiges Expertennetzwerk haben.

Nicht zuletzt werden Stiftungen – im Gegensatz zu „traditionellen“ Investoren – von einer sozialen Mission getrieben. Das macht sie zum perfekten Partner für Social Ventures, weil es für Stiftungen einfacher ist, die ganzheitliche (die soziale und / oder ökologische und finanzielle) Rendite einer Impact-Investition zu verstehen.