Blogeintrag October 2017

von Maximilian Grimm

Unternehmen sollten ihre gesellschaftliche Rolle neu denken

Deutsche Unternehmen sind über ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten hinaus vielfältig gesellschaftlich engagiert, was unsere im Frühjahr veröffentlichte Studie zum Corporate Citizenship Engagement der DAX 30 Unternehmen bereits gezeigt hat. Dennoch dürfen Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung zukünftig nicht mehr nur darauf beschränken, ihre negativen Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt zu reduzieren oder gemeinnützige Spenden zu tätigen. Sie sollten sich damit auseinandersetzen, welchen expliziten positiven Beitrag sie mit ihrem Wirtschaften, ihren Produkten und Dienstleistungen für die Gesellschaft leisten können.

Seit Verabschiedung der Sustainable Development Goals (SDGs) herrscht ein durchaus breiter Konsens darüber, dass neben Politik und Zivilgesellschaft auch Unternehmen einen Beitrag zur weltweiten nachhaltigen Entwicklung leisten müssen. Während viele der in den SDGs formulierten Ziele besonders hohe Relevanz für Länder des globalen Südens haben, zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, dass auch hierzulande große Herausforderungen hinsichtlich Ungleichheit und sozialer Ausgrenzung zu meistern sind: Einerseits ist der materielle Wohlstand in Deutschland so groß wie noch nie und die gesamtwirtschaftliche Entwicklung insgesamt positiv. Andererseits ist die Frage nach der fairen Teilhabe am Wohlstand in Deutschland zentraler als je zuvor, denn ungleiche Einkommensverteilung und erhöhtes Armutsrisiko bei Einkommensschwachen gefährden die positive Gesamtentwicklung des Landes.

Antworten auf diese Herausforderungen werden besonders von der deutschen Politik erwartet – das legt zumindest der aktuelle öffentliche Diskurs im Nachgang zur Bundestagswahl in den Deutschen Bundestag nahe. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Unternehmen immer stärker gefragt sind, sich mit bestehenden gesellschaftlichen Herausforderungen bewusst auseinanderzusetzen. Beispielsweise zeigt der von Edelman veröffentlichte Vertrauensbarometer 2017, dass drei Viertel der dort Befragten glauben, dass Unternehmen neben Profit auch darauf abzielen sollten, die ökonomischen und sozialen Bedingungen in ihrem Umfeld zu verbessern.

Dabei können deutsche Unternehmen von ein paar fortschrittlichen Unternehmen aus Frankreich oder Belgien lernen, die sich ganz bewusst mit bestehenden Herausforderungen auseinandersetzen und  Geschäftsmodelle an der Schnittstelle zwischen finanziellem, strategischem und gesellschaftlichem Mehrwert entwickeln. Im Ergebnis setzen diese Unternehmen, beispielsweise der Lebensmittelkonzern Danone oder der Automobilhersteller Renault, nicht mehr nur auf einzelne philanthropische Maßnahmen als gesellschaftliches Engagement, sondern nutzen innovative Ansätze (mehr dazu hier), um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln oder bestehende Modelle auf die Bedürfnisse beispielsweise einkommensschwacher Haushalte anzupassen.

Der eingangs geforderte proaktive Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung sollte für Unternehmen keine Bürde darstellen, sondern vielmehr als Chance verstanden werden, Potenziale neu zu denken. Unternehmen sollten bestehende, wirkungsvolle Aktivitäten deswegen keinesfalls ersetzen oder beenden. Viel eher geht es darum, dass sie den Werkzeugkasten ihres gesellschaftlichen Engagements um innovative Instrumente mit Nähe zu ihrem Kerngeschäft erweitern.

Wie das in Deutschland aussehen kann, muss sich zeigen. Langfristiges Ziel muss sein, dass wir uns von der sozialisierten Wahrnehmung lösen, dass finanzieller Gewinn und gesellschaftlicher Mehrwert grundsätzlich voneinander getrennt sind. Unternehmen haben große Kompetenzen und Stärken, welche sie im Sinne des Gemeinwohls nutzen sollten.

Wir von Beyond Philanthropy wollen gemeinsam mit unserem Partner Social Impact die notwendige Entwicklung mit unserem neuen Projekt Mehrwert² anstoßen, und Unternehmen in Deutschland dabei unterstützen, entsprechende Geschäftsmodelle zu entwickeln. Als ersten Schritt haben wir nun mit Unterstützung der BMW Foundation die Studie „Soziale Innovationen für Unternehmen und Gesellschaft“ verfasst.