Blogeintrag Januar 2018

von Marten Runge

Warum Beyond Philanthropy?

Mein Praktikum bei Beyond Philanthropy

Welche Rolle sollte Ethik bei Unternehmen spielen?

Diese Frage beschäftigt mich seit nunmehr 3 Jahren, mehr oder weniger direkt, angestoßen durch mein Studium Philosophy & Economics. In der Lehre finden sich ausgefeilte Antworten unternehmensethischer Ansätze von Steinmann, Ulrich, Homann, Wieland und vielen anderen genialen Köpfen.

In Diskussionen mit anderen Interessierten merkte ich schnell, dass mir ein Anknüpfungspunkt von den verzweigten Theorien der Unternehmensethiker an aktuelle Handlungen von (Groß-)Unternehmen, also eine Übersetzungskompetenz, fehlte. In Ungewissheit schwankt man schnell zwischen naturalistischem und normativistischem Fehlschluss. Es drängt sich also die Frage nach dem Ist-Zustand auf:

Welche Rolle spielt Ethik bei Unternehmen?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, bewarb ich mich bei Beyond Philanthropy.

Was macht Beyond Philanthropy?

Mit der Beantwortung der Frage hat sich in den vier Monaten des Praktikums vor allen Dingen ihr Kontext erweitert. Das liegt an der grundlegenden Ausrichtung von Beyond Philanthropy: Als Beratung unterstützt Beyond Unternehmen genauso wie Stiftungen und Einzelpersonen dabei, sozialen Wandel zu gestalten. Den Fokus nicht auf dem privaten Sektor und seinen moralischen Verpflichtungen verharren zu lassen, eröffnet neue, allgemeine Fragen: Wer muss gesellschaftliche Verantwortung tragen? Worin besteht die Verantwortung? Wo sind ihre Grenzen? Und was heißt eigentlich Philanthropie genau?

Aber der Reihe nach. Schon zu Beginn des Praktikums wurde mir bei Beyond Philanthropy klar kommuniziert, dass Räume gegeben werden, um selbständig Interessensfelder zu erforschen.

Für mich war das besonders hilfreich im Hinblick auf das anfangs undurchdringliche Dickicht an unternehmensgeprägten Ausdrücken, deren Bedeutung mir nicht immer intuitiv geläufig war: Venture Philanthropists, SRS, IOOI, Blended Finance beim Impact Investing oder auch Corporate Citizenship im Kontext von CSR und Nachhaltigkeit. Allerdings ließen sich hier sofort Parallelen zur Philosophie ziehen: Während der Philosophie oft vorgeworfen wird von einer gigantischen Begriffsverwirrung zu leben (siehe André Weil bei The Economist), werden der Business-Welt ebenso kryptische Buzz-Words zugeschrieben. Doch selbst wenn Begriffe von verschiedenen Akteuren nicht einheitlich benutzt werden, ist ein roter Faden, ein Modus vivendi zu erkennen. Nutzt man zusätzlich die eigenen Denkräume, um sich sukzessiv beispielsweise dem Thema Impact Investing zu nähern, wird einem sogar die Funktion der Buzz-Words, oder Oberbegriffe, bewusst.

Aber auch die Beschäftigung mit anderen Aufgabenfeldern war sehr lehrreich. Bei der Projektidentifikation, also der Suche nach geeigneten Förderpartnern, bekommt man einen detaillierten Einblick in kleine und große Initiativen, die sich einem gesellschaftlichen Potential oder Problem annehmen. Eine wichtige Erkenntnis für mich war dabei, dass hinter all diesen Initiativen selbstverständlich engagierte Mitmenschen stehen – genauso aber auch bei Unternehmen. Anstatt die Fehler im Unternehmen zu suchen, habe ich mir vorgenommen jene Mitarbeiter zu finden, die positiven sozialen Wandel in der Gesellschaft innerhalb ihres Rahmens herbeiführen wollen.

Außerdem verstehe ich nun das grundlegende Business Model einer Beratung und habe gelernt, wie eine umfassende Content Due Diligence aussehen sollte. Als Bestandteil einer umfassenden Due Diligence zielt die Content Due Diligence anders als die Legal und Financial Due Diligence darauf ab, mögliche Förderorganisationen auf verschiedene inhaltliche Aspekte hin zu überprüfen: Weist sie beispielsweise eine durchdachte Wirkungslogik (Theory of Change) auf? Und wie ist die Organisation aufgebaut? In einer umfangreicheren Auseinandersetzung mit diesen Fragestellungen wurde mir bewusst, dass damit ein Grundstein für die Arbeit von Beyond gelegt wird, „sozialen Wandel zu gestalten“. Unklar war für mich zu dem Zeitpunkt, ob die Art der Gestaltung eigentlich eher spezifische Handlungsempfehlungen oder strukturelle Impulse sind. Sind diese Kriterien überhaupt trennscharf?

Daran anschließend wurde mir an einer anderen Stelle bewusst, dass zumindest Beyond Philanthropy nicht in einer impulsgebenden Beraterposition verharrt, sondern proaktiv auch selbst Projekte antreibt. So wurde beispielsweise Mehrwert², eine Initiative von Social Impact und Beyond Philanthropy mit Unterstützung der BMW Foundation, ins Leben gerufen. Ziel ist es, das Potential von Base of the Pyramid (BOP)-Ansätzen in Industrienationen bzw. speziell in Deutschland offenzulegen und langfristig zu entwickeln. Bei der Unterstützung der begleitenden Kampagne und der daran anschließenden Konferenz in München, wurde mir die Möglichkeit gegeben ein Projekt in voller Ausführung, mit all seinen Erfolgen, zu begleiten. Abstrakt wurde damit eine Brücke gebaut zwischen der anfänglichen Theorie von Prahalad und Hart und der praktischen Weiterentwicklung für einkommensschwache Haushalte in Deutschland. Oder anders: Die Brücke zwischen dem Soll- und Ist-Zustand von Unternehmen.