Blogeintrag Mai 2017

von Eva Schneider

Zwischen den Welten

Mein Praktikum bei Beyond Philanthropy

Am Ende des Studiums stelle ich mir unweigerlich die Fragen: Wohin mit mir? Was möchte ich tun? Welche Themen und Tätigkeiten begeistern mich? Meinen Bachelor habe ich in den Fächern Vergleichende Literatur- und Politikwissenschaft in Berlin und Verona (Italien) absolviert. Derzeit studiere ich European-Studies an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt Oder. Praktika und Nebenjobs führten mich bislang nach Johannesburg, München, Köln und Berlin. Ich habe am Goethe-Institut, in Galerien und Kommunikationsberatungen gearbeitet. Warum habe ich mich jetzt für ein Praktikum bei Beyond Philanthropy entschieden?
Mich fasziniert die Beratungstätigkeit von Beyond Philanthropy – nicht nur inhaltlich, sondern auch und besonders auf operativer Ebene. Das Team von Beyond Philanthropy arbeitet an den Schnittstellen des For-Profit- und des Non-Profit-Sektors. Bringt Einzelpersonen, Stiftungen und Unternehmen mit gemeinnützigen Organisationen zusammen, um gemeinsam Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen umzusetzen. Jedes Projekt bedeutet neue Inhalte, neue Gesichter, neue Fragen und erfordert neue Lösungen. Das macht die Arbeit besonders abwechslungsreich.

Vom ersten Tag meines dreimonatigen Praktikums an war ich in verschiedene Projekte voll eingebunden. Sei es bei der Erstellung einer Themenfeldanalyse, dem Verfassen einer Online-Publikation, der Identifizierung gemeinnütziger Organisationen für einen internationalen Unternehmenskunden oder der Entwicklung einer Plattform für Unternehmen, die einen Beitrag zur Bekämpfung von Armut in Deutschland leisten wollen. Auf diese Weise bin ich mit unterschiedlichsten Themen des philanthropischen Sektors in Berührung gekommen. In den vergangenen drei Monaten habe ich ein Verständnis davon entwickelt, was „Social Impact Investment“ bedeutet. Welche Aspekte eine positive Partnerschaft zwischen Geber- und Empfängerorganisationen auszeichnen oder wie man das „Corporate Citizenship“ von Unternehmen messen kann. Spannend und lehrreich waren auch die Gespräche mit Kollegen – im Zuge meiner Einarbeitung, bei der Zusammenarbeit an den Projekten, gemeinsamen Mittag- oder Abendessen und Veranstaltungen.

Was nehme ich mit? Ich habe gelernt, dass das abstrakte Phänomen „positiver sozialer Wandel“ auf der Mikro-Ebene des individuellen Engagements unserer Kunden greifbar wird: Ein Aspekt dieses Wandels kann darin bestehen, lokale Unterstützungsangebote für junge Eltern zu fördern, um langfristig ihre Erziehungskompetenz zu stärken, die sie an ihre Kinder weitergeben. Oder sozialer Wandel wird angestoßen, wenn Mädchen und junge Frauen durch eine zielgruppengerechte Kampagne über die Gefahren von Essstörungen informiert werden und dadurch das Risiko einer Erkrankung sinkt.

Sozialer Wandel setzt sich aus zahlreichen Handlungen auf der Mikro-Ebene zusammen und wird – als übergreifendes Phänomen – auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene sichtbar. Um das zu erreichen, braucht es die funktionierende Zusammenarbeit von gemeinnützigen Organisationen, Stiftungen, Institutionen und Unternehmen. Daher ist das Angebot von Beyond Philanthropy meiner Ansicht nach sinn- und wirkungsvoll: Beyond Philanthropy koordiniert und vereinfacht Kooperationen und Partnerschaften zwischen den Akteuren des öffentlichen, privaten und gemeinnützigen Sektors. Ich habe erlebt, dass diese Zusammenarbeit jedoch oft auch schwierig ist. Finanzielle Förderungen schaffen strukturelle Machtungleichgewichte zwischen Gebern und Empfängern, die ein produktives Miteinander erschweren können.

Das Praktikum hat auch meine eigenen diffusen Vorurteile in Bezug auf das Engagement profitorientierter Unternehmen herausgefordert. Ich wollte herausfinden, welche Berechtigung der Vorwurf hat, Unternehmen würden sich nur sozial engagieren, um die eigene Marke zu stärken und interne soziale oder ökologische Konflikte zu verdecken. Mein Ausflug in den philanthropischen Sektor hat mir gezeigt: Natürlich nutzen Unternehmen die Möglichkeiten, ihr gesellschaftliches Engagement öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren. Gleichzeitig werden jedoch immer mehr vielversprechende Ansätze entwickelt, die unternehmerische soziale Aktivitäten wesentlich stärker in das Kerngeschäft der Firmen integrieren. Nach und nach können so die gefühlten Gegensätze zwischen gesellschaftlichem Mehrwert und finanzieller Profitabilität, zwischen den verschiedenen Welten „Wirtschaft“ und „Gesellschaft“ abgebaut werden.

Es bleibt abzuwarten, ob und wie diese Ideen in unserer heutigen Gesellschaft Fuß fassen werden. Ich bleibe neugierig und freue mich, diese Entwicklungen aktiv zu begleiten. Meine nächste Station führt mich nach Dänemark, an die Universität in Aarhus. Dort möchte ich die Chance nutzen, mein neu erworbenes Wissen zu vertiefen.